Editorial

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Zwei eindrückliche Wochen in der Stiftung Lohner Adelboden


Zwei eindrückliche Wochen in der Stiftung Lohner Adelboden


Zur Ausbildung am Gymnasium gehören auch zwei selbst organisierte ausserschulische Erfahrungswochen, welche die Schüler:innen am Ende des ersten Ausbildungsjahrs absolvieren. Ziel ist unter anderem, einen sozialen Beitrag an die Gesellschaft zu leisten.

 

Text Michelle Koch, 26gH 

Beitragsbild Lohner von Westen, wikipedia.org

 

Ich absolvierte im Rahmen der ausserschulischen Erfahrungswochen zwischen dem 3. und 14. Juli 2023 ein zweiwöchiges Praktikum in der Stiftung Lohner Adelboden. Diese, früher Altersheim Adelboden, bietet rund dreissig Personen, vorwiegend älteren Menschen und Menschen mit Beeinträchtigung, ein Zuhause und unterstützt sie in ihrem Alltag. Neben den rund dreissig Altersheimplätzen gehören seit einigen Jahren auch zwanzig Plätze im Bereich Wohnen mit Dienstleistungen dazu. Hier leben Menschen, die noch weitgehend selbständig leben können und nur begrenzt oder gar nicht pflegebedürftig sind. In der Stiftung Lohner Adelboden gibt es die Arbeitsbereiche Pflege/Betreuung, Hauswirtschat, Küche, technischer Dienst und Sekretariat. Die verschiedenen Bereiche bilden zusammen ein System und stehen alle miteinander in Verbindung. 

 

Ich arbeitete an je fünf Tagen in der Pflege und in der Hauswirtschaft und bekam so einen guten Einblick in zwei Bereiche, die für das Funktionieren des Betriebs essenziell sind. Dabei war ich jeden Tag mit einer anderen Person unterwegs, einige von ihnen hatte ich bereits vorher gekannt, andere noch überhaupt nicht. Die Zusammenarbeit auch mit den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern funktionierte sehr gut. Ich erlebte das Team der Mitarbeitenden sowohl in der Pflege als auch in der Hauswirtschaft als herzlich und motiviert. 

 

An meinen fünf Arbeitstagen in der Pflege hatte ich mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen zu tun, von weitgehend selbständigen bis zu völlig abhängigen Menschen, die es ohne Hilfe nicht aus dem Bett schaffen würden. Besonders die Arbeit mit den dementen Menschen war eine grosse Herausforderung, da sie manchmal sehr überraschend agierten. Auch war es manchmal schwierig, die Anliegen dieser Menschen zu verstehen, wenn sie das, was sie ausdrücken wollten, nicht mehr in Worte fassen konnten. Im «Gespräch» konnten sie die unmöglichsten Dinge miteinander in Verbindung bringen. Zentral dabei war, diese Menschen trotz ihrer Krankheit ernst zu nehmen und ihnen genau gleich wertschätzend zu begegnen, wie allen anderen auch. Jedoch konnten auch die dementen Menschen manchmal eine Dankbarkeit und Zufriedenheit ausstrahlen, die mich immer sehr berührt hat.  

 

Mit Menschen, die geistig kaum oder gar nicht beeinträchtigt waren, konnte ich oft gute Gespräche führen und habe von ihnen für meine Unterstützung viel Wertschätzung und Dank empfangen. Das hat mich immer sehr berührt. 

 

Je nach Person, mit der ich an einem Tag unterwegs war, durfte ich schon sehr viel mithelfen oder vor allem zuschauen. Und natürlich kam es immer auch auf die Tätigkeit an, ob ich diese mit meinem Können und Wissen überhaupt ausführen konnte. Schon an meinem ersten Arbeitstag durfte ich Bewohnerinnen und Bewohner beim Anziehen, auf der Toilette oder beim Essen unterstützen. Ab dem zweiten oder dritten Tag durfte ich dann bereits einige einfachere Tätigkeiten selbständig ausführen. Das hat mir zwar gefallen, war aber manchmal auch eine Herausforderung. Die meisten Tätigkeiten waren für mich neu und am Anfang eher ungewohnt, ich habe auch manchmal etwas Überwindung gebraucht, um bestimmte unangenehme Arbeiten auszuführen.  

 

Ich ging schon bald hin und wieder allein zu Bewohnerinnen und Bewohnern ins Zimmer und versuchte sie zu unterstützen, so gut ich das konnte. Dabei wurde ich aber auch immer wieder mit Situationen konfrontiert, die für mich eine sehr grosse Herausforderung, manchmal auch eine Überforderung darstellten und ich ohne Hilfe nicht bewältigen konnte. Die Mitarbeitenden waren aber alle immer sehr zuvorkommend und waren mir auch nicht böse, wenn ich mal etwas falsch gemacht hatte, sondern wiesen mich einfach freundlich darauf hin. So konnte ich von Tag zu Tag dazulernen und viele Erfahrungen machen, die mir auch in der Zeit nach dem Praktikum in meinem Alltag nützlich sein werden. 

 

Die Arbeit mit den Menschen hat mir viel Freude bereitet, war aber auch anstrengend. Im Vergleich zur Schule hatte sich das Verhältnis von Sitzen und Stehen in etwa umgedreht, dementsprechend war ich am Abend immer sehr müde. Auch Pausen waren eher selten und nicht überaus lang.  

 

Obwohl sich viele Tätigkeiten tagtäglich wiederholten (Bewohner:innen wecken, anschliessend pflegen, Frühstück eingeben, Mittagessen eingeben, Bewohner:innen ins Bett bringen für den Mittagschlaf, Abendessen eingeben, Bewohner:innen bereit machen für die Nacht) war kein Tag gleich wie der andere. In einem Altersheim sind unvorhersehbare Geschehnisse, die das Programm je nach dem ziemlich durcheinanderbringen können, an der Tagesordnung. Die Pflegenden gingen damit meist mit Ruhe und Gelassenheit um. 

 

Der Pflegeberuf kann auch emotional sehr anstrengend sein, weil man leider nicht nur schöne Dinge sieht und erlebt. Teilweise sieht man Menschen, die wegen einer Krankheit in einem elenden Zustand sind und nur noch sterben möchten, und man erlebt auch, wie Menschen sterben. Man sollte dafür psychisch belastbar sein. Ich hatte keine grösseren Probleme damit. 

 

Die fünf Arbeitstage in der Hauswirtschaft waren ganz anders als die in der Pflege. Der grösste Unterschied war der direkte Kontakt mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, der hier nur begrenzt stattfand, etwa beim Servieren der Mahlzeiten. Ich bedauerte das manchmal ein bisschen, doch die Arbeitstage waren auf diese Weise emotional weniger anstrengend. Anstatt mich um Menschen zu kümmern, half ich nun mit bei der Reinigung von Zimmern und öffentlich zugänglichen Räumlichkeiten und Toiletten, in der Wäscherei, beim Bereitmachen und Servieren der Mahlzeiten und anschliessend beim Abwaschen und Aufräumen. Ich wurde auch hier jeden Tag mit neuen Herausforderungen konfrontiert. 

 

Im Unterschied zur Pflege waren mir hier viele Tätigkeiten von zu Hause her schon bekannt, was es natürlich einfacher machte. Meine Lieblingsaufgabe hier war, das Frühstück für die Bewohnerinnen und Bewohner bereit zu machen. 

 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Arbeiten in der Hauswirtschaft wesentlich einfacher waren, die Pflege und vor allem der Kontakt mit den vielen unterschiedlichen Menschen dafür interessanter. Ich durfte in diesen zwei Wochen sehr viele wertvolle Erfahrungen machen und viele nette Menschen kennenlernen, die ich wohl nicht so bald wieder vergessen werde. 

 

 

 

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Zwei eindrückliche Wochen in der Stiftung Lohner Adelboden


Zur Ausbildung am Gymnasium gehören auch zwei selbst organisierte ausserschulische Erfahrungswochen, welche die Schüler:innen am Ende des ersten Ausbildungsjahrs absolvieren. Ziel ist unter anderem, einen sozialen Beitrag an die Gesellschaft zu leisten.

 

Text Michelle Koch, 26gH 

Beitragsbild Lohner von Westen, wikipedia.org

 

Ich absolvierte im Rahmen der ausserschulischen Erfahrungswochen zwischen dem 3. und 14. Juli 2023 ein zweiwöchiges Praktikum in der Stiftung Lohner Adelboden. Diese, früher Altersheim Adelboden, bietet rund dreissig Personen, vorwiegend älteren Menschen und Menschen mit Beeinträchtigung, ein Zuhause und unterstützt sie in ihrem Alltag. Neben den rund dreissig Altersheimplätzen gehören seit einigen Jahren auch zwanzig Plätze im Bereich Wohnen mit Dienstleistungen dazu. Hier leben Menschen, die noch weitgehend selbständig leben können und nur begrenzt oder gar nicht pflegebedürftig sind. In der Stiftung Lohner Adelboden gibt es die Arbeitsbereiche Pflege/Betreuung, Hauswirtschat, Küche, technischer Dienst und Sekretariat. Die verschiedenen Bereiche bilden zusammen ein System und stehen alle miteinander in Verbindung. 

 

Ich arbeitete an je fünf Tagen in der Pflege und in der Hauswirtschaft und bekam so einen guten Einblick in zwei Bereiche, die für das Funktionieren des Betriebs essenziell sind. Dabei war ich jeden Tag mit einer anderen Person unterwegs, einige von ihnen hatte ich bereits vorher gekannt, andere noch überhaupt nicht. Die Zusammenarbeit auch mit den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern funktionierte sehr gut. Ich erlebte das Team der Mitarbeitenden sowohl in der Pflege als auch in der Hauswirtschaft als herzlich und motiviert. 

 

An meinen fünf Arbeitstagen in der Pflege hatte ich mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen zu tun, von weitgehend selbständigen bis zu völlig abhängigen Menschen, die es ohne Hilfe nicht aus dem Bett schaffen würden. Besonders die Arbeit mit den dementen Menschen war eine grosse Herausforderung, da sie manchmal sehr überraschend agierten. Auch war es manchmal schwierig, die Anliegen dieser Menschen zu verstehen, wenn sie das, was sie ausdrücken wollten, nicht mehr in Worte fassen konnten. Im «Gespräch» konnten sie die unmöglichsten Dinge miteinander in Verbindung bringen. Zentral dabei war, diese Menschen trotz ihrer Krankheit ernst zu nehmen und ihnen genau gleich wertschätzend zu begegnen, wie allen anderen auch. Jedoch konnten auch die dementen Menschen manchmal eine Dankbarkeit und Zufriedenheit ausstrahlen, die mich immer sehr berührt hat.  

 

Mit Menschen, die geistig kaum oder gar nicht beeinträchtigt waren, konnte ich oft gute Gespräche führen und habe von ihnen für meine Unterstützung viel Wertschätzung und Dank empfangen. Das hat mich immer sehr berührt. 

 

Je nach Person, mit der ich an einem Tag unterwegs war, durfte ich schon sehr viel mithelfen oder vor allem zuschauen. Und natürlich kam es immer auch auf die Tätigkeit an, ob ich diese mit meinem Können und Wissen überhaupt ausführen konnte. Schon an meinem ersten Arbeitstag durfte ich Bewohnerinnen und Bewohner beim Anziehen, auf der Toilette oder beim Essen unterstützen. Ab dem zweiten oder dritten Tag durfte ich dann bereits einige einfachere Tätigkeiten selbständig ausführen. Das hat mir zwar gefallen, war aber manchmal auch eine Herausforderung. Die meisten Tätigkeiten waren für mich neu und am Anfang eher ungewohnt, ich habe auch manchmal etwas Überwindung gebraucht, um bestimmte unangenehme Arbeiten auszuführen.  

 

Ich ging schon bald hin und wieder allein zu Bewohnerinnen und Bewohnern ins Zimmer und versuchte sie zu unterstützen, so gut ich das konnte. Dabei wurde ich aber auch immer wieder mit Situationen konfrontiert, die für mich eine sehr grosse Herausforderung, manchmal auch eine Überforderung darstellten und ich ohne Hilfe nicht bewältigen konnte. Die Mitarbeitenden waren aber alle immer sehr zuvorkommend und waren mir auch nicht böse, wenn ich mal etwas falsch gemacht hatte, sondern wiesen mich einfach freundlich darauf hin. So konnte ich von Tag zu Tag dazulernen und viele Erfahrungen machen, die mir auch in der Zeit nach dem Praktikum in meinem Alltag nützlich sein werden. 

 

Die Arbeit mit den Menschen hat mir viel Freude bereitet, war aber auch anstrengend. Im Vergleich zur Schule hatte sich das Verhältnis von Sitzen und Stehen in etwa umgedreht, dementsprechend war ich am Abend immer sehr müde. Auch Pausen waren eher selten und nicht überaus lang.  

 

Obwohl sich viele Tätigkeiten tagtäglich wiederholten (Bewohner:innen wecken, anschliessend pflegen, Frühstück eingeben, Mittagessen eingeben, Bewohner:innen ins Bett bringen für den Mittagschlaf, Abendessen eingeben, Bewohner:innen bereit machen für die Nacht) war kein Tag gleich wie der andere. In einem Altersheim sind unvorhersehbare Geschehnisse, die das Programm je nach dem ziemlich durcheinanderbringen können, an der Tagesordnung. Die Pflegenden gingen damit meist mit Ruhe und Gelassenheit um. 

 

Der Pflegeberuf kann auch emotional sehr anstrengend sein, weil man leider nicht nur schöne Dinge sieht und erlebt. Teilweise sieht man Menschen, die wegen einer Krankheit in einem elenden Zustand sind und nur noch sterben möchten, und man erlebt auch, wie Menschen sterben. Man sollte dafür psychisch belastbar sein. Ich hatte keine grösseren Probleme damit. 

 

Die fünf Arbeitstage in der Hauswirtschaft waren ganz anders als die in der Pflege. Der grösste Unterschied war der direkte Kontakt mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, der hier nur begrenzt stattfand, etwa beim Servieren der Mahlzeiten. Ich bedauerte das manchmal ein bisschen, doch die Arbeitstage waren auf diese Weise emotional weniger anstrengend. Anstatt mich um Menschen zu kümmern, half ich nun mit bei der Reinigung von Zimmern und öffentlich zugänglichen Räumlichkeiten und Toiletten, in der Wäscherei, beim Bereitmachen und Servieren der Mahlzeiten und anschliessend beim Abwaschen und Aufräumen. Ich wurde auch hier jeden Tag mit neuen Herausforderungen konfrontiert. 

 

Im Unterschied zur Pflege waren mir hier viele Tätigkeiten von zu Hause her schon bekannt, was es natürlich einfacher machte. Meine Lieblingsaufgabe hier war, das Frühstück für die Bewohnerinnen und Bewohner bereit zu machen. 

 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Arbeiten in der Hauswirtschaft wesentlich einfacher waren, die Pflege und vor allem der Kontakt mit den vielen unterschiedlichen Menschen dafür interessanter. Ich durfte in diesen zwei Wochen sehr viele wertvolle Erfahrungen machen und viele nette Menschen kennenlernen, die ich wohl nicht so bald wieder vergessen werde. 

 

 

 

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