Editorial

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Eine saubere Sache


Eine saubere Sache


Sieben Tage die Woche arbeiten und trotzdem nicht bemerkt werden – so sieht der Alltag einer Reinigungsfachkraft am Standort Seefeld des Gymnasiums und der FMS Thun aus.

 

Text und Foto Anita Seiler, 24gR

 

Es ist halb sieben morgens, als Frau Röthlisberger die Tore des Gymnasiums öffnet. Die Sonne ist noch nicht einmal aufgegangen, als sie bereits mit der Arbeit beginnt. Normalerweise sei das Öffnen der Tore nicht ihre Arbeit. Aber der Gärtner sei krank und deshalb hätte man sie gefragt, ob sie übernehme. Der Wochenplan ist voll. Auf der To-Do-Liste für heute steht die Reinigung der Neuen Aula um 13.00 Uhr, des BG-Gebäudes um 16.45, Wäsche und zu guter Letzt die Dienstwohnung im Hauptgebäude.  

 

Frau Röthlisberger arbeitet schon seit 14 Jahren als Reinigungsfachkraft am Gymnasium. Das bestätigt sie durch ihre routinierten Bewegungen. Eilig putzt sie die Tische der Neuen Aula. Man riecht das Putzmittel. Einen Tisch muss sie überspringen, denn er ist noch besetzt. Schnellen Schrittes geht sie zum Putzwagen und legt den benutzten Lappen hinein. Mit zufriedener Miene nimmt sie den Besen in die Hand und beginnt, den Boden zu wischen. Geschickt hebt sie mit der rechten Hand die Stühle an, mit der linken wischt sie den Dreck unter dem Tisch hervor. Wenn mehr als drei Stühle an einem Tisch sind, klappt sie die überflüssigen zusammen und stellt sie weg. «Ich kann sonst nicht putzen. Ich muss das jeden Tag machen, denn leider räumen die Schüler die Stühle nie selbst weg.» Die letzten Schüler verlassen still den Raum. Sie finde es schade, dass die sie nicht mehr grüssen, es habe sie doch immer sehr gefreut.  

 

Ein Jahrgang ist im Skilager. «Das merkt man. Jetzt ist es gerade etwas weniger Arbeit.» Trotzdem ist ein beachtliches Häufchen Staub und Schmutz zusammengekommen. Frau Röthlisberger versorgt ihren Besen und nimmt stattdessen den Wischmopp in die Hand. Normalerweise sei sie etwas mehr unter Zeitdruck, denn die Neue Aula werde sonst von Herrn Wüthrich gebraucht. Da er heute nicht da sei, müsse sie nicht so pressieren. Sie putzt präzise in allen Ecken trotz dem zackigen Tempo. «Der schwarze Boden ist anstrengend zum Putzen, man sieht schon den ersten Tritt.»  

 

Nachhaltigkeit ist eine Wissenschaft  

Erst als der Boden wie ein Spiegel glänzt, stellt sie den Mopp wieder auf den Wagen und holt einen roten Lappen und ein paar Gummihandschuhe hervor. «Die blauen Lappen sind für Tische, die roten Lappen benutzen wir für dreckigere Orte wie das WC. Wir arbeiten vom Sauberen ins Dreckige, so spart man Zeit und Lappen.» Mit geübten Handgriffen poliert sie den Spiegel, desinfiziert Wasserhahn und Waschbecken. Die Türklinke und Klobrille sind als nächstes dran. Sogar unter der Klobrille wird sauber gemacht. Auch Handtücher, Klopapier und Seife werden kontrolliert. «Mit der Zeit weiss man, wie lange die Seife noch reicht, aber die Stoffhandtücher zu montieren, ist eine Wissenschaft.»  

 

Frau Röthlisberger fischt eine PET-Flasche aus dem Abfall. Den Rest kippt sie in einen grossen Müllsack. Es sei Verschwendung, jedes Mal einen neuen Sack zu verwenden, merkt sie nebenbei an. Sie wirft die Flasche in den PET-Sammelcontainer, welcher einen halben Meter entfernt vom Abfalleimer steht. «Ich verstehe das einfach nicht. Warum wirft man die Flasche nicht direkt dort hinein, wo sie hingehört?», meint sie amüsiert. Nicht länger als drei Minuten benötigt sie, um eine Toilette auf Vordermann zu bringen. Mittlerweile sind schon wieder einige Schülerinnen und Schüler da und auf dem Boden zeichnen sich tatsächlich schon Fussabdrücke ab. «Es gibt Schüler, die gehen einfach aufs WC, während ich dort am Putzen bin, ohne zu fragen: einfach hü hopp.»  

 

Seefeld statt Fitnessstudio  

Die Toiletten sind fertig, nun müssen die Glastüren herhalten. Sie reinigt den Griff auf beiden Seiten und entfernt einige Handabdrücke auf der Scheibe. Keine Sekunde steht sie still, sie ist immer in Bewegung. Pro Tag mache sie gut zehn Kilometer auf diese Weise. Wenn sie nachhause komme, sei sie immer müde. Trotzdem hat sie ein Lächeln im Gesicht und erzählt freundlich von ihrer Arbeit. Der grosse Abfalleimer neben der Toilette ist bei Weitem nicht voll. Trotzdem nimmt sie den Sack raus und erklärt, sie würde ihn zur Wäscherei nehmen und dort füllen, so sei es nicht Verschwendung. Da lassen könne sie ihn nicht, die Lebensmittel darin würden sonst zu stinken beginnen. Im Müll ist eine zweite PET-Flasche. «Wieder das gleiche, ich verstehe es einfach wirklich nicht.»  

 

Nach etwa vierzig Minuten sind die Aufenthaltsräume bei der Neuen Aula fertig. Sie schliesst die Aula auf und beginnt den gleichen Prozess wie vorher. Zuerst die Stühle und Tische abwischen, dann holt sie ein Desinfektionstuch. Sie putze damit immer das Klavier. Mit dem Tuch wischt sie einmal über die Tasten. Ein wunderschönes Glissando ertönt. Sie nimmt wieder den Bodenwischer hervor. Diesmal macht sie daran ein gelbes Tuch fest. «Das Verfahren ist immer gleich. Zuerst trocken, diesmal mit einem leicht öligen Tuch. Daran haften Haare am besten, Haare hat es immer viel.» Mit schwungvollen Bewegungen fährt sie einmal überall drüber. Schritt zwei ist nass aufnehmen. Es sehe recht sauber aus, deshalb würde sie nur dort aufnehmen wo es Abdrücke habe.  

 

Mit Tempo umrundet sie einmal den Stuhlkreis, geht zum Wagen, taucht den Bodenwischer in den Eimer und drückt ihn wieder aus. Auf geht’s zu Runde zwei. Der Boden glänzt feucht im schwachen Licht und Frau Röthlisberger stellt den Wischer auf die Seite. Sie zückt ein zweites Desinfektionstuch und fährt einmal durch die Ritze unter der Tür zwischen Aula und Vorraum. Sie mache dies nicht jeden Tag, nur wenn es gerade nötig sei und sie Zeit habe. Für die ganze Aula braucht sie nicht länger als zehn Minuten.  

 

Alles für die Katz  

Es ist zehn vor zwei als sie schliesslich mit der Glastür der Bibliothek beginnt. Mit etwas Mühe befestigt sie die Tür an der Wand. Als das Glas frei von Fingerabdrücken ist, tritt sie in die Bibliothek und befreit den Bildschirm des Computers von Staub. Der Geruch von Büchern liegt in der Luft. Staubwedeln würde sie jeden Montag, trotzdem habe es immer Staub, bemerkt sie trocken. Die Katze schläft im Korb nebendran. Als Frau Röthlisberger näherkommt, erwacht sie und schaut sie aus verschlafenen Augen an. Sie lässt sich streicheln und schläft kurzum wieder ein. «Er wartet jeden Morgen darauf, dass ich ihn reinlasse. Er mag es, hier zu schlafen.»  

 

Sie beginnt mit dem gewohnten Arbeitsablauf und noch einmal fällt auf, wie routiniert sie vorgeht. Stühle zurechtrücken, Mülleimer leeren, alle Müllsäcke in einen stopfen, einen neuen aus der Tasche zaubern, Boden wischen und aufnehmen. Trotz den wenigen Leuten kommt viel Dreck zusammen. Jeden Tag putzt sie hier und jeden Tag stellt sie sich eine Zusatzaufgabe. Montags wedelt sie Staub, heute reinigt sie die Stühle gründlich, sogar die Fussstange und die Stuhlbeine. «Man muss halt einfach flexibel sein oder?» Manchmal könne sie auch nicht alles putzen, weil noch Leute da sässen oder ein Event stattfinde. Diese seien für sie immer besonders anstrengend, da alles perfekt sauber sein müsse.  

 

Die Arbeit ist anstrengend, sogar Frau Röthlisberger kommt aus der Puste. Eine knappe Stunde ist vergangen und die Neue Aula ist sauber. Mit einem erschöpften Ausdruck auf dem Gesicht versorgt sie den Wagen und holt ihre Jacke. Für einige Stunden hat sie jetzt wohlverdiente Pause. Dann geht es auch für sie im gewöhnten Ablauf weiter. 

 

 

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Eine saubere Sache


Sieben Tage die Woche arbeiten und trotzdem nicht bemerkt werden – so sieht der Alltag einer Reinigungsfachkraft am Standort Seefeld des Gymnasiums und der FMS Thun aus.

 

Text und Foto Anita Seiler, 24gR

 

Es ist halb sieben morgens, als Frau Röthlisberger die Tore des Gymnasiums öffnet. Die Sonne ist noch nicht einmal aufgegangen, als sie bereits mit der Arbeit beginnt. Normalerweise sei das Öffnen der Tore nicht ihre Arbeit. Aber der Gärtner sei krank und deshalb hätte man sie gefragt, ob sie übernehme. Der Wochenplan ist voll. Auf der To-Do-Liste für heute steht die Reinigung der Neuen Aula um 13.00 Uhr, des BG-Gebäudes um 16.45, Wäsche und zu guter Letzt die Dienstwohnung im Hauptgebäude.  

 

Frau Röthlisberger arbeitet schon seit 14 Jahren als Reinigungsfachkraft am Gymnasium. Das bestätigt sie durch ihre routinierten Bewegungen. Eilig putzt sie die Tische der Neuen Aula. Man riecht das Putzmittel. Einen Tisch muss sie überspringen, denn er ist noch besetzt. Schnellen Schrittes geht sie zum Putzwagen und legt den benutzten Lappen hinein. Mit zufriedener Miene nimmt sie den Besen in die Hand und beginnt, den Boden zu wischen. Geschickt hebt sie mit der rechten Hand die Stühle an, mit der linken wischt sie den Dreck unter dem Tisch hervor. Wenn mehr als drei Stühle an einem Tisch sind, klappt sie die überflüssigen zusammen und stellt sie weg. «Ich kann sonst nicht putzen. Ich muss das jeden Tag machen, denn leider räumen die Schüler die Stühle nie selbst weg.» Die letzten Schüler verlassen still den Raum. Sie finde es schade, dass die sie nicht mehr grüssen, es habe sie doch immer sehr gefreut.  

 

Ein Jahrgang ist im Skilager. «Das merkt man. Jetzt ist es gerade etwas weniger Arbeit.» Trotzdem ist ein beachtliches Häufchen Staub und Schmutz zusammengekommen. Frau Röthlisberger versorgt ihren Besen und nimmt stattdessen den Wischmopp in die Hand. Normalerweise sei sie etwas mehr unter Zeitdruck, denn die Neue Aula werde sonst von Herrn Wüthrich gebraucht. Da er heute nicht da sei, müsse sie nicht so pressieren. Sie putzt präzise in allen Ecken trotz dem zackigen Tempo. «Der schwarze Boden ist anstrengend zum Putzen, man sieht schon den ersten Tritt.»  

 

Nachhaltigkeit ist eine Wissenschaft  

Erst als der Boden wie ein Spiegel glänzt, stellt sie den Mopp wieder auf den Wagen und holt einen roten Lappen und ein paar Gummihandschuhe hervor. «Die blauen Lappen sind für Tische, die roten Lappen benutzen wir für dreckigere Orte wie das WC. Wir arbeiten vom Sauberen ins Dreckige, so spart man Zeit und Lappen.» Mit geübten Handgriffen poliert sie den Spiegel, desinfiziert Wasserhahn und Waschbecken. Die Türklinke und Klobrille sind als nächstes dran. Sogar unter der Klobrille wird sauber gemacht. Auch Handtücher, Klopapier und Seife werden kontrolliert. «Mit der Zeit weiss man, wie lange die Seife noch reicht, aber die Stoffhandtücher zu montieren, ist eine Wissenschaft.»  

 

Frau Röthlisberger fischt eine PET-Flasche aus dem Abfall. Den Rest kippt sie in einen grossen Müllsack. Es sei Verschwendung, jedes Mal einen neuen Sack zu verwenden, merkt sie nebenbei an. Sie wirft die Flasche in den PET-Sammelcontainer, welcher einen halben Meter entfernt vom Abfalleimer steht. «Ich verstehe das einfach nicht. Warum wirft man die Flasche nicht direkt dort hinein, wo sie hingehört?», meint sie amüsiert. Nicht länger als drei Minuten benötigt sie, um eine Toilette auf Vordermann zu bringen. Mittlerweile sind schon wieder einige Schülerinnen und Schüler da und auf dem Boden zeichnen sich tatsächlich schon Fussabdrücke ab. «Es gibt Schüler, die gehen einfach aufs WC, während ich dort am Putzen bin, ohne zu fragen: einfach hü hopp.»  

 

Seefeld statt Fitnessstudio  

Die Toiletten sind fertig, nun müssen die Glastüren herhalten. Sie reinigt den Griff auf beiden Seiten und entfernt einige Handabdrücke auf der Scheibe. Keine Sekunde steht sie still, sie ist immer in Bewegung. Pro Tag mache sie gut zehn Kilometer auf diese Weise. Wenn sie nachhause komme, sei sie immer müde. Trotzdem hat sie ein Lächeln im Gesicht und erzählt freundlich von ihrer Arbeit. Der grosse Abfalleimer neben der Toilette ist bei Weitem nicht voll. Trotzdem nimmt sie den Sack raus und erklärt, sie würde ihn zur Wäscherei nehmen und dort füllen, so sei es nicht Verschwendung. Da lassen könne sie ihn nicht, die Lebensmittel darin würden sonst zu stinken beginnen. Im Müll ist eine zweite PET-Flasche. «Wieder das gleiche, ich verstehe es einfach wirklich nicht.»  

 

Nach etwa vierzig Minuten sind die Aufenthaltsräume bei der Neuen Aula fertig. Sie schliesst die Aula auf und beginnt den gleichen Prozess wie vorher. Zuerst die Stühle und Tische abwischen, dann holt sie ein Desinfektionstuch. Sie putze damit immer das Klavier. Mit dem Tuch wischt sie einmal über die Tasten. Ein wunderschönes Glissando ertönt. Sie nimmt wieder den Bodenwischer hervor. Diesmal macht sie daran ein gelbes Tuch fest. «Das Verfahren ist immer gleich. Zuerst trocken, diesmal mit einem leicht öligen Tuch. Daran haften Haare am besten, Haare hat es immer viel.» Mit schwungvollen Bewegungen fährt sie einmal überall drüber. Schritt zwei ist nass aufnehmen. Es sehe recht sauber aus, deshalb würde sie nur dort aufnehmen wo es Abdrücke habe.  

 

Mit Tempo umrundet sie einmal den Stuhlkreis, geht zum Wagen, taucht den Bodenwischer in den Eimer und drückt ihn wieder aus. Auf geht’s zu Runde zwei. Der Boden glänzt feucht im schwachen Licht und Frau Röthlisberger stellt den Wischer auf die Seite. Sie zückt ein zweites Desinfektionstuch und fährt einmal durch die Ritze unter der Tür zwischen Aula und Vorraum. Sie mache dies nicht jeden Tag, nur wenn es gerade nötig sei und sie Zeit habe. Für die ganze Aula braucht sie nicht länger als zehn Minuten.  

 

Alles für die Katz  

Es ist zehn vor zwei als sie schliesslich mit der Glastür der Bibliothek beginnt. Mit etwas Mühe befestigt sie die Tür an der Wand. Als das Glas frei von Fingerabdrücken ist, tritt sie in die Bibliothek und befreit den Bildschirm des Computers von Staub. Der Geruch von Büchern liegt in der Luft. Staubwedeln würde sie jeden Montag, trotzdem habe es immer Staub, bemerkt sie trocken. Die Katze schläft im Korb nebendran. Als Frau Röthlisberger näherkommt, erwacht sie und schaut sie aus verschlafenen Augen an. Sie lässt sich streicheln und schläft kurzum wieder ein. «Er wartet jeden Morgen darauf, dass ich ihn reinlasse. Er mag es, hier zu schlafen.»  

 

Sie beginnt mit dem gewohnten Arbeitsablauf und noch einmal fällt auf, wie routiniert sie vorgeht. Stühle zurechtrücken, Mülleimer leeren, alle Müllsäcke in einen stopfen, einen neuen aus der Tasche zaubern, Boden wischen und aufnehmen. Trotz den wenigen Leuten kommt viel Dreck zusammen. Jeden Tag putzt sie hier und jeden Tag stellt sie sich eine Zusatzaufgabe. Montags wedelt sie Staub, heute reinigt sie die Stühle gründlich, sogar die Fussstange und die Stuhlbeine. «Man muss halt einfach flexibel sein oder?» Manchmal könne sie auch nicht alles putzen, weil noch Leute da sässen oder ein Event stattfinde. Diese seien für sie immer besonders anstrengend, da alles perfekt sauber sein müsse.  

 

Die Arbeit ist anstrengend, sogar Frau Röthlisberger kommt aus der Puste. Eine knappe Stunde ist vergangen und die Neue Aula ist sauber. Mit einem erschöpften Ausdruck auf dem Gesicht versorgt sie den Wagen und holt ihre Jacke. Für einige Stunden hat sie jetzt wohlverdiente Pause. Dann geht es auch für sie im gewöhnten Ablauf weiter. 

 

 

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