Editorial

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Baden-Baden – ein Ausflugstipp des Schwerpunktfachs Russisch


Baden-Baden – ein Ausflugstipp des Schwerpunktfachs Russisch


Baden-Baden ist dank seines Casinos und seiner Bäder seit mehr als 200 Jahren so etwas wie ein «russischer Sehnsuchtsort». Eine Schaar Schüler:innen des SF Russisch besuchte den Kurort.

 

Text Ivo Haag

Foto zvg Ivo Haag

 

Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam mit der europäischen High Society auch der zaristische Adel zur Erholung nach Baden-Baden. Und nach der Revolution für eine gewisse Zeit auch noch diejenigen, die ins Exil gegangen waren. Nach dem Ende der Sowjetunion besuchten dann wieder mehr russischsprachige Menschen den deutschen Kurort und brachten teilweise viel Geld in die kleine Stadt in Baden-Württemberg. Die Kurstadt hat sich seit dem Angriff auf die Ukraine wieder verändert. Der SWR 2 hat dazu eine spannende Reportage gemacht. Mit dieser Reportage und ausgehend von den Geschichten von Luise von Baden und Katharina II. könnten auch Sie Ihren Besuch in Baden-Baden starten. 

 

Während das Glückspiel im nahegelegenen Frankreich verboten war, konnte man Mitte des 19. Jahrhunderts in Baden-Baden noch weiterwetten: Viele Gäste reisten zum Kuren und zum Spielen an. So weilten auch die Schriftsteller Fjodor Dostoevskij und Ivan Turgenev (ein spannendes, von A. Eliasberg geschriebenes Porträt Turgenevs finden sie hier) hier, zockten und zerstritten sich leidenschaftlich – Dostojevskij, der «Slavophile» und Turgenev, der «Westler». 

 

In der Stadtbibliothek Baden-Badens lässt sich nicht nur dieses Zerwürfnis entdecken. Und «Achtung» vorneweg: die beiden Autoren sind spannend zu lesen, aber beileibe nicht die zwei Nabel der Welt! In dieser Bibliothek lässt es sich an 14 verschiedenen Stationen gemütlich schmökern, lesen und sogar im Sofa sitzend darüber plaudern. Das Musse-Literaturmuseum ist sehr einladend und gastfreundlich! Die kurze, spontane und kenntnisreiche Einführung war sehr hilfreich – man muss zu fragen wagen. 

 

Wer sich dafür interessiert, wie Ivan Turgenev die zaristische Adelsgesellschaft in Baden-Baden erlebte und wahrnahm – Turgenev verbrachte viel Zeit dort – , kann sich seinen etwas «schwierig zu lesenden» (unser aller Fazit) Roman «Rauch» vornehmen und der Russisch palavernde Versammlung unter dem «russischen Baum» im Kurpark zuhören. Für uns war das szenisch-vergnügliche Vorlesen und Erzählen unter den Bäumen vor dem Kurhaus (wohlgemerkt damals «Konversationshaus» genannt) ein zwiespältiges Vergnügen: Wir fragten uns, wie solche Kurferien tatsächlich ein Vergnügen sein konnten. Besonders die Männer tun sich im Roman als hohle «Phrasenhelden» hervor. 

 

Ein Vergnügen war der Stadtspaziergang mit Janna, die die offizielle Stadtführung «Rusissche Geschichte in Baden-Baden» für uns auf Russisch durchführte. Die Stadtführerin hat genau gespürt, auf welchem sprachlichen Niveau wir gefordert, aber nicht überfordert werden. Und für uns war schön zu merken, dass wir auch anspruchsvolle Inhalte auf Russisch verstehen. Auf Jannas Vorschlag hin kehrten wir beim Café Beek ein und trafen da auf russischsprachiges Personal. Es ergaben sich einige kurzweilige Gespräche mit sehr freundlichen Menschen. 

 

Baden-Baden hat ein Casino, welches für viele Leute ein Spielparadies ist – der Besuch der Prunksäle mit den Spieltischen ist eindrücklich. Man stellt sich den oben erwähnten Dostoevskij vor, der auf seiner Reise nach Baden-Baden nicht nur alles Geld, sondern sogar Kleider seiner jungen Stenotypistin verspielte. Er machte seiner späteren Frau und sich das Casino in Baden-Baden zur Hölle. Übrigens: In nur 26 Tagen diktierte er ihr den Roman «Der Spieler» (daraus ein paar Ausschnitte zum Hören,), der ihn finanziell wieder etwas über Wasser bringen sollte. 

 

Vor dem Besuch im Casino, das sich auch im Kurhaus befindet, kann man sich eine andere «höllische» Erzählung vornehmen: Aleksandr Puškins Erzählung «Pikovaja dama» (Pique-Dame auf Deutsch beim Projekt Gutenberg) und sich eine Vorstellung davon machen, welche Symptome von Spielsucht sich beim Helden Hermann zeigen und wie er letztlich in seiner eigenen Hölle des Wahnsinns landet. Sein «Traum wird Welt» und zu einem echten Albtraum. Wir haben uns vor dem Casinobesuch nicht nur über die Erzählung selbst, sondern auch ausführlich über Spielsucht und ihre Symptome unterhalten. 

 

Zusammen mit den Russischschülerinnen und Russischschülern und dem Russischlehrer des Gymnasiums Kirchenfeld verbrachten wir zwei spannende Tage in Baden-Baden. Wir suchten in der Stadt nach russischsprachigen Spuren und entdeckten viele. Wir flanierten auf der Lichtentaler Allee an verschiedenen Museen vorbei, die wir auch noch hätten besuchen können. Wir schlenderten über den Flohmarkt im Stadtzentrum und unterhielten uns über den Russischunterricht in den letzten Jahren. Es war eine Reise wert und ein würdiger Abschluss des Schwerpunktfaches vor der Matura. 

 

 

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Baden-Baden – ein Ausflugstipp des Schwerpunktfachs Russisch


Baden-Baden ist dank seines Casinos und seiner Bäder seit mehr als 200 Jahren so etwas wie ein «russischer Sehnsuchtsort». Eine Schaar Schüler:innen des SF Russisch besuchte den Kurort.

 

Text Ivo Haag

Foto zvg Ivo Haag

 

Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam mit der europäischen High Society auch der zaristische Adel zur Erholung nach Baden-Baden. Und nach der Revolution für eine gewisse Zeit auch noch diejenigen, die ins Exil gegangen waren. Nach dem Ende der Sowjetunion besuchten dann wieder mehr russischsprachige Menschen den deutschen Kurort und brachten teilweise viel Geld in die kleine Stadt in Baden-Württemberg. Die Kurstadt hat sich seit dem Angriff auf die Ukraine wieder verändert. Der SWR 2 hat dazu eine spannende Reportage gemacht. Mit dieser Reportage und ausgehend von den Geschichten von Luise von Baden und Katharina II. könnten auch Sie Ihren Besuch in Baden-Baden starten. 

 

Während das Glückspiel im nahegelegenen Frankreich verboten war, konnte man Mitte des 19. Jahrhunderts in Baden-Baden noch weiterwetten: Viele Gäste reisten zum Kuren und zum Spielen an. So weilten auch die Schriftsteller Fjodor Dostoevskij und Ivan Turgenev (ein spannendes, von A. Eliasberg geschriebenes Porträt Turgenevs finden sie hier) hier, zockten und zerstritten sich leidenschaftlich – Dostojevskij, der «Slavophile» und Turgenev, der «Westler». 

 

In der Stadtbibliothek Baden-Badens lässt sich nicht nur dieses Zerwürfnis entdecken. Und «Achtung» vorneweg: die beiden Autoren sind spannend zu lesen, aber beileibe nicht die zwei Nabel der Welt! In dieser Bibliothek lässt es sich an 14 verschiedenen Stationen gemütlich schmökern, lesen und sogar im Sofa sitzend darüber plaudern. Das Musse-Literaturmuseum ist sehr einladend und gastfreundlich! Die kurze, spontane und kenntnisreiche Einführung war sehr hilfreich – man muss zu fragen wagen. 

 

Wer sich dafür interessiert, wie Ivan Turgenev die zaristische Adelsgesellschaft in Baden-Baden erlebte und wahrnahm – Turgenev verbrachte viel Zeit dort – , kann sich seinen etwas «schwierig zu lesenden» (unser aller Fazit) Roman «Rauch» vornehmen und der Russisch palavernde Versammlung unter dem «russischen Baum» im Kurpark zuhören. Für uns war das szenisch-vergnügliche Vorlesen und Erzählen unter den Bäumen vor dem Kurhaus (wohlgemerkt damals «Konversationshaus» genannt) ein zwiespältiges Vergnügen: Wir fragten uns, wie solche Kurferien tatsächlich ein Vergnügen sein konnten. Besonders die Männer tun sich im Roman als hohle «Phrasenhelden» hervor. 

 

Ein Vergnügen war der Stadtspaziergang mit Janna, die die offizielle Stadtführung «Rusissche Geschichte in Baden-Baden» für uns auf Russisch durchführte. Die Stadtführerin hat genau gespürt, auf welchem sprachlichen Niveau wir gefordert, aber nicht überfordert werden. Und für uns war schön zu merken, dass wir auch anspruchsvolle Inhalte auf Russisch verstehen. Auf Jannas Vorschlag hin kehrten wir beim Café Beek ein und trafen da auf russischsprachiges Personal. Es ergaben sich einige kurzweilige Gespräche mit sehr freundlichen Menschen. 

 

Baden-Baden hat ein Casino, welches für viele Leute ein Spielparadies ist – der Besuch der Prunksäle mit den Spieltischen ist eindrücklich. Man stellt sich den oben erwähnten Dostoevskij vor, der auf seiner Reise nach Baden-Baden nicht nur alles Geld, sondern sogar Kleider seiner jungen Stenotypistin verspielte. Er machte seiner späteren Frau und sich das Casino in Baden-Baden zur Hölle. Übrigens: In nur 26 Tagen diktierte er ihr den Roman «Der Spieler» (daraus ein paar Ausschnitte zum Hören,), der ihn finanziell wieder etwas über Wasser bringen sollte. 

 

Vor dem Besuch im Casino, das sich auch im Kurhaus befindet, kann man sich eine andere «höllische» Erzählung vornehmen: Aleksandr Puškins Erzählung «Pikovaja dama» (Pique-Dame auf Deutsch beim Projekt Gutenberg) und sich eine Vorstellung davon machen, welche Symptome von Spielsucht sich beim Helden Hermann zeigen und wie er letztlich in seiner eigenen Hölle des Wahnsinns landet. Sein «Traum wird Welt» und zu einem echten Albtraum. Wir haben uns vor dem Casinobesuch nicht nur über die Erzählung selbst, sondern auch ausführlich über Spielsucht und ihre Symptome unterhalten. 

 

Zusammen mit den Russischschülerinnen und Russischschülern und dem Russischlehrer des Gymnasiums Kirchenfeld verbrachten wir zwei spannende Tage in Baden-Baden. Wir suchten in der Stadt nach russischsprachigen Spuren und entdeckten viele. Wir flanierten auf der Lichtentaler Allee an verschiedenen Museen vorbei, die wir auch noch hätten besuchen können. Wir schlenderten über den Flohmarkt im Stadtzentrum und unterhielten uns über den Russischunterricht in den letzten Jahren. Es war eine Reise wert und ein würdiger Abschluss des Schwerpunktfaches vor der Matura. 

 

 

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