Eine Exkursion führte eine Deutschklasse nach Zürich ins Cabaret Voltaire, dem «Geburtshaus» des Dadaismus, und in eine Ausstellung über verbotene Bücher und Schriften.
Text Alissa Tschanz, 24gP
«Wart ihr schon mal hier?» – Kopfschütteln – «Dann seid ihr endlich da!» Mit diesen Worten wurde unsere Klasse an einem bewölkten Dienstagmorgen im Cabaret Voltaire in Zürichs Altstadt begrüsst. Das Cabaret Voltaire war und ist ein Café, in welchem 1916 die Dada-Bewegung losgetreten wurde. Damals hatten die Künstler und Künstlerinnen Hugo Ball, Emmy Henings, Tristan Tzara, Richard Huelsenbeck, Marcel Hanco und Hans Arp das Bedürfnis, sich der von Krieg und Exil geprägten Gesellschaft und somit auch von der damaligen Kunst abzugrenzen. So entstand die sogenannte «Antikunst», Kunst, welche sich gegen damalige Traditionen und Werte auflehnt und diese auch parodiert: Collagen, Readymades und Performances. Gerade Letztere waren im Cabaret Voltaire sehr zentral. Performt wurde im Saal für Aufführungen auf einer kleinen Holzbühne. Auf einem Nachbau konnten auch wir stehen und somit die Zeit des Dadaismus zumindest im Ansatz nacherleben. Zuerst analysierten wir das Lautgedicht Karawane von Hugo Ball und danach schrieben, und inszenierten, wir unsere eigenen Gedichte:
Zig Zag, Bam Bam.
Felm felm , Hau, wau.
Gitze gli?
None ha!
Ginos vanti.
Gitze gli.
Nissom butzek!
oder
Tropf tropf
tropf tropf
tschhhh
tropf tropf
tschhhh
bum
tropf tropf
tropf tropf tropf tropf
tropf tropf tropf tropf
tschhhh schhhh
tropf tropf plitsch tropf tropf
tropf tropf platsch tropf tropf
plitsch platsch plutsch
Dann war auch schon Mittagszeit. Als wir uns im Café des Cabarets mit Applaus verabschiedeten, fielen draussen grosse Tropfen lautstark auf den Boden. Unser Plitsch-Platsch-Regentanz hatte Wirkung gezeigt. Mit Regenschirmen und ohne trockenen Sitzplatz kamen uns die zwei Mittagsstunden, welche zwischen der Führung im Cabaret und dem Nachmittagsprogramm, dem Besuch des Strauhofs, sehr lange vor. Einige von uns entschieden sich deshalb, schon früher in den Strauhof zu gehen und sich die Ausstellung schon einmal anzuschauen. Sie hiess Satanische Verse und verbotene Bücher. Es war die ganze Bandbreite an Genres anzufinden, welche zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort verboten waren. Vom Index librorum prohibitorum, dem Verzeichnis unzulässiger Bücher der katholischen Kirche, über Wir, dem ersten verbotenen Buch der Sowjetunion, bis zu Harry-Potter-Romanen, welche an gewissen Schulen in den USA ordnungswidrig sind.
Was die ganze Klasse erstaunt hat, ist, dass auch bestimmte Schriftarten verboten sind oder waren. In der Ausstellung hingen grosse Löschdecken, auf welchen Zitate aus den porträtierten Werken aufgedruckt waren. Die Schriftarten, die dafür verwendet wurden, waren, wie auch schon die Bücher, aus verschiedensten Gründen verboten. Wie beispielsweise die Schriftart Alte Schwabacher, welche von den Menschen generell als Nazi-Schrift angesehen wird. Jedoch wurde sie genau von diesen verboten. Dies mit der Begründung, sie stamme aus der Hand eines Juden. «Die Begründung ist falsch, denn Jüd:innen war es aufgrund der strengen Zunftgesetze nicht einmal erlaubt, in einer Druckerei zu arbeiten, geschweige denn eine solche zu erwerben.», schreibt die Ausstellungszeitung dazu.
Der Regen hatte nachgelassen, als wir im Zug zurück nach Thun sassen. Bei einer Tichu-Runde wurden die Eindrücke des Tages nochmals hervorgeholt und es wurde viel gesprochen. Dies trotz der langsam eintretenden Müdigkeit.





























































