Text Marius Gränicher, Rektor
Beitragsbild Annalina Berger, 23gE
Liebe Freund:innen des Gymnasiums Thun
Liebe Leser:innen
Spielt es Ihnen eine Rolle, ob das Editorial, das Sie eben lesen, mit Hilfe einer Künstlichen Intelligenz (KI) – zum Beispiel von ChatGPT – geschrieben wurde? Wenn ja, weshalb? Muss es zwingend eine humane geistige Eigenleistung sein, wenn der Text den gängigen Kriterien eines (guten) Editorials (originell, persönlich, lustvolle Einladung auf weitere Lektüre uws.) entspricht? Vielleicht hat sich der Schulleiter in der Zeit, die er für das Verfassen des Editorials um Verbesserungen der Rahmenbedingungen für die Lehrpersonen oder um das Qualitätsmanagement der Schule gekümmert oder ein Fördergespräch mit einer Schülerin und ihren Eltern geführt. Wäre in diesem Fall die Nutzung von KI für eine Textproduktion wie einem Editorial legitim/er? Glauben Sie heute überhaupt noch zu merken, welche Texte von künstlicher und welche von humaner Intelligenz verfasst wurden?
Das Thema Künstliche Intelligenz ist aktuell für Bildungsinstitutionen aller Stufen eine spannende Herausforderung. Dabei sollte meines Erachtens nicht das Einschränken oder gar Verbieten im Fokus stehen, sondern der gezielte und transparente Einsatz, welcher Lehr- und Lernprozesse vereinfachen, ergänzen und weiterentwickeln kann. KI-Programme bieten den Lehrpersonen vielfältige Chancen, um in der Unterrichtspraxis stärker auf kreative, problemlösungsorientierte und soziale Aktivitäten zu fokussieren und dadurch die Lehr- und Lernqualität positiv zu verändern. Viele unserer Lehrpersonen nutzen diese Möglichkeit bereits. Natürlich muss aber auch die Nutzung von KI-Systemen durch die Schüler:innen geregelt werden. Es stellt sich unter anderem für die Schulen die Frage, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit gerechte, gültige und verlässliche Leistungsnachweise generiert werden, die auch tatsächlich diejenigen Kompetenzen überprüfen und bewerten, welche die Schülerinnen und Schüler im Laufe ihrer Schulzeit erwerben. Solche Fragen beschäftigen uns aktuell stark.
Ein neuer Lehrplan für die Gymnasien
Überhaupt setzt sich nicht nur unser Gymnasium mit Fragen zu den zukünftigen Fähigkeiten und Fertigkeiten auseinander, welche die Maturand:innen und FMS-Absolvent:innen am Ende Ihrer Ausbildung mitbringen müssen. Nachdem in den letzten Jahren die Ausbildung der Fachmittelschulen im Kanton Bern mit einer stärkeren Berufsfeldorientierung erneuert wurde, wird im Moment die Gymnasiale Maturität weiterentwickelt (matu2023.ch). Aktuell wird am neuen Rahmenlehrplan gearbeitet, der für alle Gymnasien in der Schweiz Mindeststandards definiert. Dabei werden stärker als bisher sogenannte transversale Bereiche mit Fertigkeiten und Fähigkeiten definiert, welche ein:e Schüler:in nicht nur in einem Fach erlernt, sondern die in vielen unterschiedlichen Kontexten und Fachbereichen vermittelt werden. Dazu gehören Themen wie die Bildung für nachhaltige Entwicklung, die Politische Bildung oder das Thema Digitalität.
Das JahrAus: Multimedial, transversal und divers
Das aktuelle JahrAus mit Rückblicken auf das Schuljahr 2022/23 zeigt Ihnen, wie interdisziplinär und transversal der Unterricht am Gymnasium und FMS Thun im letzten Schuljahr auch ohne neuen Lehrplan bereits war und weiter sein wird. Sie finden im Jahresrückblick ein buntes Potpourri an Themen mit Texten, Audiobeiträgen und Film-Beiträgen. Dazu gehört ein Bericht über die ausserschulische Erfahrungswoche, in denen unsere Gymnasiast:innen oft auch Kompetenzen ausserhals des Lehrplans erwerben; ein Porträt über eine Reinigungsfachperson, welche genauso wie Schüler:innen, Lehrpersonen und Angestellte zum «Team Gymnasium und FMS Thun» gehört. Hören Sie einen Beitrag über eine lesbische angehende Priesterin aus dem Fach Religion oder lesen Sie die Reportage über Dada und verbotene Bücher. Im letzten Schuljahr hat die Fachschaft Geschichte mit Hilfe von engagierten Schüler:innen am Tag der Demokratie (jeweils am 15. September) Workshops für die Schüler:innen des Abschlussjahrgangs organisiert, an dem u.a. auch prominente Politiker:innen über Demokratie sprachen. Wie immer finden Sie auch tolle Beiträge aus dem Bereich der musischen Künste.
Und nein – die Texte wurden nicht von ChatGPT geschrieben – so glaube ich jedenfalls (…). Aber machen Sie sich selber ein Bild und tauchen Sie ein in eine Vielfalt von Themen und Produkten, entstanden im Schuljahr 2022/23. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen!




























































